Körnerbrot ist lecker, vor allem wenn man es selber zu Hause backt. Es gibt aber ein paar Fehler die du vermeiden solltest, insbesondere dann, wenn du bestehende Rezepte mit Körnern und Saaten ergänzen möchtest.

Grundsätzlich empfehle ich dir immer, dass du direkt Rezepte verwendest, die schon für Körner und Saaten konzipiert wurden. Hier wurde (hoffentlich) an alles gedacht und die nachfolgenden Fehler vermieden. Trotzdem weiß ich, dass Einige unter euch gerne Lieblingsrezepte abwandeln möchten: mit Kernen, Körnern und Saaten. Einfach, um etwas Abwechslung in den Brot-Alltag zu bekommen und nicht ganz neue Rezepte ausprobieren zu müssen. Oder aber um selbst eigene Rezepte zu entwerfen. Das Zugeben von Körnern und Saaten zu bestehenden Rezepten geht grundsätzlich, wenn du dich an ein paar „Regeln“ hältst. Die folgenden Fehler solltest du vermeiden, damit dein Brot auch mit Körnern und Saaten was wird.
Körner direkt dem Brotteig zugeben
Auch wenn ich hier in meinem „Quick’n’Dirty Körnerbrot“ (siehe Foto oben) genau diesen Fehler begangen habe, solltest du ihn in der Regel versuchen zu vermeiden: Gebe keine Körner und Saaten einem Hauptteig zu, wenn diese nicht vorher eingeweicht wurden. Sie sollten immer vorher in einem Quellstück über mehrere Stunden in Wasser eingelegt werden. So nehmen sie Wasser auf und entziehen später dem Brotteig kein weiteres Wasser. Ich würde Körner und Saaten nur dann einem Brotteig ohne Quellstück hinzufügen, wenn A) das Rezept genau dafür entworfen wurde (wie beim Quick’n’Dirty Körnerbrot) oder aber B) wenn dein Teig zu weich geworden ist und du so zu viel Hydration im Teig ausgleichen möchtest.
Damit dein Brot also nicht trocken wird, weil du die Körner ohne vorherige Einweichzeit hinzugegeben hast, hier eine kurze Anleitung zu einem Körner-Quellstück:
Ich nehme immer doppelt so viel Wasser wie Körner und weiche diese darin ein. Normalerweise bleibt dann am Ende Wasser übrig. Ich schütte dieses Wasser aber nicht weg, sondern sammle es auf und verwende es als Teil des Wassers im Hauptteig. Wieso ich das mache, liest du beim nächsten Fehler, den du vermeiden solltest. Die abgeschütteten Körner solltest du ein paar Minuten trocknen lassen an der Luft oder einfach mit Küchenrolle abtupfen.
Körner nicht vorher anrösten
Körner, Kerne und Saaten schmecken im Brot am besten, wenn du sie vor dem Quellen angeröstest hast. Nimm dir eine Pfanne zur Hand und röste sie darin (ohne Öl) ein paar Minuten goldbraun an. Der Geruch ist toll und diese Röstaromen werden dem Wasser im Quellstück weitergegeben. Und wenn dann genug Wasser übrig ist und dieses dann nicht weggeschüttet, sondern im Hauptteig weiterverwendet wird, gibst du wertvolle Aromen an den Brotteig ab. Körner ungeröstet in den Brotteig zu geben geht zwar, aber du verlierst hier ganz einfach Geschmack, so dass du am Ende zwar das Kernige im Brot, aber nicht alles herausgeholt hast was möglich wäre.
Restliches Wasser nach dem Verquellen: Das kommt als Anteil in den Hauptteig:
Kein Wasser vom Brotteig im Rezept abziehen
Bei einem Körner-Quellstück ist es immer schwer zu sagen wie viel Wasser du extra dem Teig zuführst und ob du daher einen Teil des geplanten Wassers im Hauptteig abziehen musst. Wenn dein Quellstück nicht gerade im perfekten Verhältnis wirkt von aufgenommenem Wasser bei gleichzeitig relativ trockener Oberfläche (wer mag sowas ohne viel Erfahrung genau erkennen können?) würde ich immer etwas Wasser im Hauptteig abziehen. Nur um auf Nummer sicher zu gehen.
Die Körner-Quellstücke sind immer etwas feucht und 10-20g mehr Wasser im Teig können einen nennenswerten Unterschied machen. Der Teig wird dann ggfs. zu weich. Nimm also am besten zu Beginn ein paar Gramm der geplanten Wassermenge ab, später zugeben kannst du es immer noch, wenn der Teig zu fest werden sollte.
So kann ein Teig aussehen, wenn er nicht zu fest und nicht zu weich ist:
Zu viele Körner und Saaten verwenden
Zu guter Letzt noch ein Fehler, der vielleicht gar keiner sein muss: Das Verwenden von zu vielen Körnern und Saaten in einem Brotteig. Durch zu viel Einlage wird das krumentragende Teiggerüst so gestört, dass der Teig instabil wird. Das Brot wird dann evtl. flach werden, weil das Glutengerüst nicht ausreichend Luft und CO2 halten kann und weil der Ofentrieb leidet. Die Menge an Einlage im Teig sollte daher nicht zu hoch sein.
Die Ausnahme: Du möchtest im Kasten backen und möchtest einfach einen sehr hohen Anteil an Körnern im Brot. Im Kasten ist immer mehr möglich als wenn du frei backen würdest, weil hier der Kasten ansich das Brot stabilisiert und in Form hält.
Gibt es eine Faustregel für die Menge Körner und Saaten im Brot? Nicht so richtig, weil das auch immer davon abhängt, welches Brot mit welchen Mehlen du bäckst. Ein Teig mit sehr gärstabilem und backstarkem Weizenmehl kann auch mehr Einlage vertragen, als ein Standardmehl mit niedrigem Eiweißgehalt. Bei Roggen ist ohnehin kein Ofentrieb zu erwarten, so dass hier die Grenze der Einlage nach oben verschoben werden kann. Ich würde aber folgendermaßen vorgehen:
Freigeschobene Weizenbrote: max. 20-40% Anteil auf die Mehlmenge gerechnet
Freigeschobene Roggenbrote: max. 20-50% Anteil auf die Mehlmenge gerechnet
Kastenbrote: max. 20-70% Anteil auf die Mehlmenge gerechnet
Bei Dinkelteigen wäre ich etwas konservativer, außer es wird im Kasten gebacken. Dinkelteige sind eher schwach und Einlagen schwächen das Teiggerüst zusätzlich.

















nochmal kurz zum Begriff „Reife“, ist damit dasselbe wie „Gare“ gemeint? d.h. die Zeit ab Ende des Knetens bis zum Einschub in den Ofen zum Backen.
Ja, Gare und Reife ist so ziemlich das Gleiche.
danke wieder.
Das koerner brot mach ich mit 160 gramm sauerteig ansatz und 8gr. trockenhefe. und wie gesagt 600 g. koerner – wobei ich hier korrigiere: davon sind 150g roggenSCHROT. Mehl kommt dazu ca 300gr.
Der Teig geht bei mir nur sehr wenig auf! – weder in der schuessel noch in der form. Aber mir scheint die Dichte des Brotes die ich kriege ist gut (meistens jedenfalls).Null loecher im Brot, ein dichtes koernerbrot.
Meinst du BACKEN bis zu 5 stunden?….mmh. eher doch im Ganzen bis zu 5 stunden .
Also nur komplett auskuehlen – 6-7 Stunden, nicht wie ich es bisher machte: mindestens 24 stunden kuehlen und ruhenlassen. – ?
Nein nein. Die Reife liegt bei 2 bis 5 Stunden. Nicht das Backen. 😉 24 Stunden auskühlen lassen, kannst du machen, ist aber eher bei reinen Roggenbroten der Fall. In dem Fall musst du einfach schauen. Wenn es ausgekühlt ist, musst du nicht so lange warten bis zum Anschnitt. Dass der Teig nicht so stark aufgeht liegt an der Kombination aus 2/3 Körner und 1/3 Roggen. Was soll da noch groß aufgehen? Roggenteig ohnehin nicht sonderlich und wenn dann auch noch so viel Körner drin sind…die fangen kein Gas auf.
danke herzlich. Werde meine zeiten Anpassen um mich moeglichst gut an deine Anleitungen zu halten.
hallo, inzwischen habe ich guten erfolg mit Koernerbrot, zum Teil mit den Hilfen die ich hier gefunden habe – DANKE
Ich nehme nun statt nur eingeweichter roggenkerne und sonnenblumenkerne, auch Roggenschrot.
Beim Backen versuche ich immer auf 98 grad zu kommen, messe die temperaturr an drei stellen , Beim letzten mal wurden und wurden es nicht mehr als 97 und das auch erst nach 3 stunden im ofen bei 360. ich liess es immer laenger im ofen mit der hoffnung auf 98 zu kommen , was aber nicht geschah, also nahm ich es so nach 4 stunden im ofen raus. . nach 36 stunden ruhe zeit habe ich es heute angeschnitten,, und nun ist die kruste ziemlich hart, und zu dick 🙁
Haben Sie ratschlaege auf Lager zu der Temperatur? danke
Das klingt mir nach zu langen Backzeiten und auch sehr langen Abkühlzeiten. Je länger du bäckst, desto dicker wird die Kruste. 360 Grad ist vermutlich ein Vertipper, meinst du 260 Grad? Nicht auf 98 Grad versteifen. Ab 95/96 Grad ist das Brot durch. Klopftest nutzen, um das zu prüfen (bei Kastenbroten schwierig).
Super Antwort, hilft sehr!!
ja, ich meinte 180 Grad :).
herrzlichen Dank
hallo nochmal: koenntest du mir bitte deine Empfehlung geben fuer die laenge der Reife in der Form und auch fuer die Abkuehlzeit/Ruhezeit bis zum Anschneiden.
Fuer ein Koernerbrot voll mit Koernern, mehr als 600 gramms koerner und ca 250g Roggenmehl. Bisher habe ich den Teig ca 4 Stunden fermentieren lassen gleich nach dem kneten, zugedeckt in der Knetschuessel, dann ca. 10Stunden ueberrnacht in der Form. Nach dem Backen dann mindestens 24 Stunden ruhenlassen.
Danke, freu mich schon auf deine Ratschlaege.
Das kommt stark darauf an, wie viel Triebmittel du hast und wie warm Teig und Raum sind. Bei der kleinen Menge Teig würde ich vermutlich 1 Stunde Kesselgare machen, dann in die Form geben und reifen lassen, bis der Teig wollig aufgegangen ist. Dann backen. Das kann zwischen 2 und 5 Stunden alles sein, je nach Wärme und Anteil Sauerteig. Nach dem Backen würde ich zumindest komplett auskühlen lassen. Also 6-7 Stunden schon.
Hallo ich habe einmal eine Frage. ich back sehr oft Brot mit Haferflocken, Saaten und Kerne, Kokosöl. Ohne mehl und Triebmittel. Das Brot zieht aber oft am 2, Tag schon so Fäden. Jetzt habe ich etwas gegoogelt und mir unsicher Rene´hast Du einen Tip?
Hm. Hast du da Fotos davon? Schleimt da dann irgendwas aus?
hallo, mein koernerbrot mit koernern und roggenmehl , ca 100g weisenmehl noch dazu, gelingt nie wirklich perfekt, obwohl ich es immer auf die gleiche art backe , jedesmal ist was anderes wenig gut. Zum 3 mal nun ist es kruemmelig, d.h. wenn ich die scheiben abschneide komme ich schwer mit dem Brotmesser durch die kruste, aber die scheiben zerfallen nicht nur deshalb sondern sind sowieso nicht ’stabil‘.
Das kann passieren, wenn du unterschiedliche Sorten von Körnern oder Roggenmehl verwendest, die vielleicht unterschiedlich Wasser aufnehmen. Natürlich sollte der Teig immer ausreichend feucht sein, damit er verkleistert.
danke fuer die schnelle Antwort. ich benutze roggensamen, die ich bis zu 4 tage in wasser einweiche, und sonnenblumensamen nicht eingeweicht. Ansonsten nur roggenmehl und 100g weizenmehl, dazu dann 10 g. flohsamen eingeweicht, ungefaehr 160g sauerteig ansatz, ‚, ca. 10 gr hemp samen. Teig sollte feucht sein’….schwer zu wissen wie feucht..also mein tag behaelt keine form, d.h.wenn ich ihn die kastenbrotform eingebe forme ich einklein wenig huegelig zur mitte hin, damit es nicht ganz viereckig ist. und dieser ‚huegel‘ haelt sich, also wird nicht flach. heisst das vielleicht der teig ist nicht feucht genug? oder wie kann ich die richtige Feucht wahrnehmen? danke wieder 🙂
Wenn dein Teig nicht die Form behält, dann gib vielleicht mehr Flohsamenschalen Quellstück hinzu. Das ist ja quasi wie ein Kleber. So ähnlich wie hier: https://www.brooot.de/mischbrote/das-life-changing-bread/
danke vielmals wieder. soll ich verdoppeln…also 20 gramms?
noch eine frage: fuer das brot nehme ich bisher immer ganze roggenkoerner und sonnenblumenkerne. Ich wuerde gerne mal roggenschrot probieren, sagen wir halb ganze roggenkerne /halb schrot (130g/130g).
muss ich irgendwas anderes dann an meinen zutaten anpassen?
mit Dank!
p.
Ja, der Teig sollte nicht zu fest sein. Ich würde tröpfchenweise einkneten und schauen, wann es passt. Roggenschrot wird mehr Wasser schlucken und sollte idealerweise gebrüht werden. Schwer das aus dem Stegreif in ein bestehendes Rezept zu bringen.
Sie sagen ‚troepfchenweise’….heisst das dass wenn Sie flohsamen einweichen es ist nicht geleeartig danach? bei mir ist da nichs fluessiges, nur eine art gelatinpudding ;). Und was ist gemeint mit ‚wann es passt;? wie kann ich diese art Teig bewerten ob er genug flosamen hat oder nicht?
Zum Schrot: den werde ich also bruehen (und die kerne nach wie vor einweichen fuer einige tage) ….d.h. mit kochendem Wasser begiessen, und dann gleich danach das Wasser abgiessen , vermute ich, ja?
Danke
Sorry mein letzter Kommentar war irgendwie irrgeleitet. Ich würde mal 5g mehr Flohsamenschalen nehmen und dann step by step mehr oder weniger, je nach Ergebnis. So 100% genau kann ich das leider nicht sagen, weil auch jedes Mehl anders Wasser schluckt.
als Anfaenger ist man ja nicht so vertraut mit worten in anderem Zusammenhang. So dachte ich ‚bruehen‘ bedeutet verbruehen im sinne von ‚kurz ganz heiss’….habe inzwischen gefunden was Sie meinen, ich werde also meine roggenkerne mit dem roggenschrot zusammen erstmal in der pfanne roestetn, dann zusammen in heissem wasser stehen lassen, am besten wohl im kuehlschrank, denn die koerner sollte ja laenger eingeweicht werden als nur ein paar stunden. Das waere dann das Bruehstueck, und ich gebe es erst am ende zum teig, den ich dann nur nochmal 2 minuten auf niedriger stufe knete. und wieviel flohsamen zu einem teig mit viel schrot und koernern? (ca 350 g mehl, 550 g. koerner/schrot. mischung)
Kannst du auch im Raum brühen lassen, muss nicht in den Kühlschrank. Bezüglich Flohsamenschalen: Das kommt auf den Rest der Zutaten an. Ich würde das als Quellstück ansetzen, zB 5g FSS+100g Wasser. Davon die Hälfte dann vom Wasser im Hauptteig abziehen und mal probieren.
Guten Morgen, danke für die tolle Erklärung. Wie sieht es mit dem Brot aus, wenn man keine ganzen Körner verträgt und sie mahlen würde? Wie ist das Verhältnis dann mit dem Wasser?
LG Julia
Das kann ich dir nicht genau sagen, weil ich es nicht versucht habe. Aber nimm einfach mehr Wasser und gieße dann am Ende das ab, was übrig ist. Die Masse sollte dann nicht zu nass sein, damit der Teig nicht sehr weich wird. Evtl. etwas mehr Salz dann nehmen.
hallo, super seite, danke dass Sie Ihre Tips weitergeben.
Jedesmal wenn ich ein koernerbrot mache, geht irgendwas schief. diesmal nun ist es so, dass das brot mal keine risse hat, aber die einzelnen Scheiben brechen nun in teile :(. Ich vermute die ‚Verbindung‘ im Brot ist nicht perfekt. aber was kann ich tun das zu verhindern? danke
Da müsste ich das Rezept kennen. Ich vermute dann evtl. zu wenig Wasser oder zu viele Kerne ohne anderes Bindemittel (wie Flohsamenschalen).
Super Rezepte mit hoher Gelinggarantie, und richtig gute Tipps die mich immer weiter bringen!
Danke dir! 🙂