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Energie und Geld sparen beim Brotbacken

Bei den Kosten sitzen wir Heimbäcker doch alle im gleichen Boot: Wir backen gerne und evtl. auch viel, aber es läuft kein Kostenzähler mit, der uns den Energieverbrauch und die Kosten für die Zutaten vor Augen führen. Heute mehr denn je sollte Energie gespart und mit mehr Bedacht der Ofen angeheizt werden. Ich zeige dir hier die Möglichkeiten, die du hast, um deine Kosten fürs Brotbacken so niedrig wie möglich zu halten.

Energiekosten beim Brotbacken sparen

Ein großer Anteil an den Gesamtkosten für ein gebackenes Brot liegt in den Energiekosten. Der Ofen ist da, Strom fließt immer, kaum eine/einer achtet darauf, wie lange der Ofen läuft und wie viel kWh da so auf den Strom-Zähler gepackt werden. Dabei kannst du mit ein paar Maßnahmen für nennenswerte Kosteneinsparung sorgen. Du siehst sie nicht sofort, aber garantiert auf der Abrechnung am Ende des Jahres. 

Moderner Ofen

Ein großer Anteil an den Gesamtkosten für ein Brot ist der Ofen: Je nach Energieklasse wird stark unterschiedlich Energie verbraucht um A) den Ofen zu heizen und B) den Ofen auf der nötigen Temperatur zu halten. Das kann zwischen 0,4 kWh pro Stunde und über 1 kWh pro Stunde liegen. In der Regel sind neuere Modelle von Öfen stromsparender. Aber einen neuen Ofen zu nutzen ist nicht per se immer gleich energetisch gut, wenn dieser eine miese Energieklasse hat. Wenn du also wirklich viel bäckst, dann versuche einen A+++ Ofen zu nutzen. Ganz alte Öfen sollten wenn möglich ausgetauscht werden. Das Einsparpotential ist hier recht groß.

Beispielrechnung Energiekosten Brotbacken:

  • Angenommen du bäckst 100 Brote im Jahr und dafür läuft der Ofen jeweils 1,5 Stunden (inkl. Vorheizen)
  • Angenommen dein Ofen verbraucht 0,8kWh pro Stunde Energiekosten
  • Angenommen dein Strompreis liegt bei 30 Cent pro kWh

Dann berechnen sich deine Kosten wie folgt:

1,5 x 0,8 x 0,30€ = 36ct pro Brot
100 x 0,36€ = 36€ pro Jahr

Das klingt auf den ersten Blick nicht nach viel. Aber erhöht sich der Strompreis (was im Jahr 2022+ zu erwarten ist) und dein Ofen ist vielleicht noch ein älteres Modell, liegen die Kosten schnell mal bei 50 – 100€ pro Jahr. Ein ultra-stromsparendes Modell liegt dafür vielleicht nur bei ca. 20€ pro Jahr. Du siehst die Unterschiede und auf Dauer und Langzeitsicht kann sich richtig viel Geld ansammeln, das sonst über die Stromrechnung verloren gegangen wäre.

Mehrere Brote gleichzeitig backen

Wenn du gleich 2 Brote auf einmal bäckst, sparst du dir das Aufheizen des Ofens für das 2. Brot. Und wenn du nicht so viel Brot brauchst, kannst du dich mit anderen zusammentun und gemeinsame Backtage veranstalten. So wie das früher (und in manchen Dörfern heute noch) praktiziert wurde.

Brote einfrieren

Du kannst natürlich auch mehrere Brote für dich selber backen und dann einen Teil einfrieren. Eingefrorenes Brot schmeckt aufgebacken fast wie frisch gebacken und in Scheiben geschnitten kannst du es auch täglich einfacher entnehmen. Hier habe ich dir mal alles zum Einfrieren und Aufbacken von Brot zusammengefasst.

Eingefrorene Brote im Toaster aufbacken statt im Ofen

Einzelne Scheiben kannst du dann am besten im Toaster aufbacken. Ein paar Minuten toasten und du hast ein sensationell krosses Brot. Das spart übrigens viel Energie gegenüber dem Aufbacken von Brot im Ofen.

Größere Brote backen

Damit du länger etwas von deinem Brot hast, kannst du einfach größere Brote backen. Dein Ofen kann problemlos 2kg Brot beim Backvorgang fassen. Wieso also nicht z.B. ein gutes Bauernbrot backen und das in einer größeren Variante?

Kürzer vorheizen

Ein kleiner Glaubenskrieg läuft in der Brotback-Community und wird aktuell wieder heiß diskutiert: Bringt der Verzicht auf das Vorheizen des Ofens etwas um Energie zu sparen? Meine Meinung ist, dass ohne das Aufheizen Brote nicht so schön backen (nicht umsonst heizen ALLE professionellen Bäcker ihre Öfen vor) und länger gebacken werden müssen.

Was aber geht, ist die Vorheizzeit etwas zu verkürzen. Eine gängige Richtzeit beim Aufheizen: 1 Stunde bei einem Backstein, 30-40 Minuten bei einem Backstahl, 30-40 Minuten bei einem Topf. Das kann sicherlich um 25% reduziert werden, um Energie zu sparen und ohne massiv Qualität einzubüßen.  

Im Topf backen

Und weil wir schon bei der Aufheizzeit sind, empfehle ich dir im Topf zu backen. Der wird generell kürzer aufgeheizt und hat weitere Vorteile gegenüber dem freigeschobenen Backen. Ich backe gerne im Chefarone Brotback-Topf (Amazon Link).

Restwärme nutzen fürs Backen oder um den Raum zu heizen

Eine übliche Empfehlung ist es, die Restwärme des Ofens zu nutzen. Entweder indem die Ofentüre nach dem Backen und während dem Auskühlen offen stehen gelassen wird und somit im Winter die Küche mitgeheizt werden kann. Oder aber um darin dann z.B. das Abendessen zuzubereiten.

Per Hand kneten

Wenn du möglichst viel Energie sparen willst, kannst du natürlich auch auf das Kneten in der Maschine verzichten und alles mit der Hand verkneten. Hier sind allerdings keine Vermögen einzusparen. 

Keine Gärbox verwenden

Auf Schnickschnack wie eine Gärbox kannst du (auch unabhängig von Energiekosten) getrost verzichten. Das braucht man eigentlich nicht wirklich um einen Teig reifen zu lassen. Verwende für Sauerteig z.B. lieber einen WLAN Router, der etwas Wärme abgibt. 

Utensilien nicht mit der Hand spülen

Das Spülen von Geschirr mit der Hand spart kein Wasser, eher im Gegenteil: Die Spülmaschine ist wassersparender. D.h. packe deine Backutensilien lieber in die Spülmaschine um nicht noch extra Kosten zu verursachen.

Bei den Zutaten und Utensilien fürs Brotbacken sparen

Die Grund-Rohstoffe beim Brotbacken sind: Mehl, Wasser, (Hefe), Salz. Du kannst hier auf jeden Fall Geld sparen:

Günstigere Mehlsorten verwenden

Mehle werden derzeit immer teurer, dennoch kriegst du 1kg Mehl problemlos für unter 1 Euro. Spezielle Mehle (z.B. aus dem Ausland und/oder besonders backstark) haben ihre Vorteile (mehr Geschmack, schönere Krume, etc.), kosten aber deutlich mehr. Hier können die Preise auch mal gerne 5x so hoch sein. Wenn es dir nicht so auf die letzten 10-20% ankommt, kannst du auch günstigere Mehle kaufen. Die Qualität wird evtl. leiden und du musst vielleicht vorsichtiger bei der Wasserzugabe und den Reifezuständen sein. Aber im Grunde kannst du mit dem billigsten Mehl ebenso essbare Brote herstellen.

Sauerteig und Hefewasser statt Hefe

Bio-Hefe kostet auch Geld und je nachdem wie viel du bäckst und ob du häufig Hefe verwendest, kann das auf Dauer auch ein nennenswerter Kostenfaktor sein. Verwende Sauerteig oder Hefewasser und du kannst das Geld sparen, weißt was in deinen Triebmitteln enthalten ist und sorgst (im Falle von Sauerteig) auch noch für mehr Geschmack und Haltbarkeit.

Für Neueinsteiger: Auf teure Utensilien verzichten

Du brauchst als Grundausstattung zum Brotbacken nicht unbedingt jedes Utensil und auch nicht jedes Gerät. Mit ganz wenig kannst du schon ganz viel erreichen. Brauchst du wirklich eine Knetmaschine? Geht nicht anstelle eines Gärkorbs auch eine Schüssel mit Tuch? Muss es ein Brot-Lame sein oder reicht ein billiges Wellenmesser? Du kannst mit dem heimischen Brotbacken Geld sparen. Aber wenn du zuerst hunderte Euro ausgibst um überhaupt erstmal anzufangen, dauert es lange, dass im Vergleich zum Kauf beim Bäcker eingesparte Geld wieder reinzuholen.

Selber mahlen

Wenn du schon eine Getreidemühle hast, kannst du dein Mehl selber mahlen. Dann kannst du Korn auf Vorrat kaufen, was deutlich günstiger ist. Die Anschaffung einer guten Getreidemühle kostet aber gut und gerne mal ein paar hundert Euro. Das ist für viele mehr Spielerei als wirkliche Investition in weniger Ausgaben in der Zukunft.

Sauerteig in anderen Gerichten verwerten

Wenn du einen Sauerteig dein Eigen nennst, wirst du immer wieder Reste übrig haben. Vom Füttern oder auch vom Backen selber. Diese Reste kannst du auf den Kompost schmeißen, worüber sich die Würmer freuen. Oder aber du baust den Sauerteig in anderes Essen ein: In Waffeln, Pfannkuchen, oder was auch immer so mit Teig gemacht wird. 

Trockenhefe verwenden

Ich verwende meistens frische Bio-Hefe, dabei ist das Arbeiten mit Trockenhefe genauso möglich und nicht selten praktischer. Trockenhefe hält ewig und wenn man 1:3 umrechnet zur frischen Hefe, kann nix schiefgehen. Du sparst hier, weil du vermutlich weniger frische Hefe wegwerfen musst und weil Trockenhefe generell günstiger ist.

Altbrot verwenden

Ein letzter Tipp: Altes Brot bitte nicht wegwerfen, sondern trocknen lassen im auskühlenden Ofen und dann als gemahlenes Altbrot im Brot wiederverwenden. Du sparst etwas am Mehl, kannst über ein Brühstück für mehr Haltbarkeit bei deinem Brot sorgen und spendierst zudem noch etwas Aromatik. Ich liebe Altbrot und werde nicht müde es hier zu empfehlen

Fazit

Du siehst, es gibt viele Ansatzpunkte um deine heimischen Brotback-Tage energetischer und kostengünstiger zu gestalten. Wie weit du gehen willst um einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen und um Geld zu sparen, liegt an dir. Wenn du noch mehr Ideen fürs Sparen beim Brotbacken hast, schreib mich gerne an. 

 

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8 Antworten
  1. Bettina

    Auch ich habe mir schon Gedanken über energiesparendes Backen gemacht. Und so habe ich jetzt jede Woche einen Backtag eingeführt. An diesem Tag backe ich Brot, Brötchen, Topf- oder Blechkuchen und meist einen Tortenboden für das Wochenende. Manchmal habe ich so viel das es für die zweite Woche reicht. Vieles davon wird eingefroren.
    Und als Highlight gibt es an diesem Tag dann immer Aufläufe oder Quiches.

  2. Uwe

    Aus Energiespargründen habe ich meinen Backstein quasi eingemottet und nutze diesen nur noch für Pizzen. Brote backe ich nur noch Große (ca. 2,5kg-Laibe, die das gesamte Backblech ausfüllen) oder mehrere Kastenbrote gleichzeitig.
    Um beim Backen auf dem Blech auch einen möglichst zufriedenstellenden Ofentrieb zu erzielen, heize ich das Blech mit auf. Selbstverständlich kann man dann schlecht mit dem Einschiesser arbeiten und muss das Brot samt Backpapier ausserhalb des Ofens aufs vorgeheizte Blech ziehen und schnell in den Ofen geben. Ist zwar etwas tricky, doch es funktioniert sehr gut.
    Zu zweit geht es sogar völlig problemlos.
    Dann backe ich direkt mehrere Brote hintereinander, um energieintensives Vorheizen zu vermeiden, bzw. extrem zu verkürzen. Nach dem Auskühlen Brote halbieren (oder sehr große Brote vierteln, und einfrieren. Auch backe ich zuvor eingefrorenes Brot nie auf. Einfach in der verschlossenen Gefriertüte abends rauslegen und bei Raumtemperatur auftauen lassen. Sollte es unbedingt etwas knuspriger werden, einfach einzelne, zuvor aufgetaute Scheiben kurz in den Toaster.

  3. Bruni

    Hallo,
    das ist ja eine tolle Beschreibung, wie man beim Brotbacken sparen kann. Ich hatte auch schon überlegt, wie und womit ich sparen könnte beim Backen. Sehe jetzt alles etwas gelassener, den ich besitze seit ein paar Monaten einen neuen energiesparenden Backofen und backe gerne wie Sie im Topf! Aber auf billige Mehlsorten möchte ich nicht umsteigen, eher teile ich mir größere Gebinde 10 Kg mit Backfreunden. Da spart man auch! Danke, ein toller Bericht und liebe Grüße Bruni Kausch

    Ein großes Lob Ihre Brotrezepte sind toll!

  4. Andrea

    Ich hab nach 10 Jahren, die ich meinen Ofen habe, vor kurzem entdeckt, dass es eine Schnellaufheiztaste gibt (lach). Das Aufheizen verkürzt sich somit um die Hälfte. Es lohnt sich also, auch mal in die Bedienungsanleitung zu schauen.

    1. René von brooot.de

      Das kenne ich gar nicht, aber gut, wenn es sowas gibt. Die Frage ist nur, ob die Funktion dann doppelt Strom verbraucht. 😉

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„Der Bäcker“

Mein Name ist René und eigentlich würde ich mich niemals selbst als Bäcker bezeichnen. Zu viel Respekt habe ich vor diesem Berufsstand und davor welche Anforderungen Mitglieder dieser Zunft täglich stemmen müssen. Aber für meine Familie bin ich „der Bäcker“. Selbst, wenn auch mal ein Brot misslingt. Hier findest du meine Lieblingsrezepte.

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