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Roggenbrot direkt mit Anstellgut angesetzt

Das 1150er Roggenbrot ohne Vorteig

Einstufiger-, Zweistufiger-, Dreistufiger-Sauerteig? Nein! KEINstufiger-Sauerteig wird benötigt für dieses leckere Kasten-Roggenbrot aus 1150er Roggenmehl. Du packst dein Anstellgut in den Teig, das war es auch schon. Einfacher geht es nicht. Die einzige Voraussetzung: ein fitter Sauerteig.

Schwierigkeit: Anfänger Direkt zum Rezept

Es gibt verschiedene Ansätze, ein Roggenbrot zu backen. Aber üblicherweise wird vor dem Ansetzen des eigentlichen Teigs für das Brot ein Vorteig (der eigentliche Sauerteig) angesetzt. Dieser Vorteig treibt dann den Teig an, bzw. die Mikroorganismen in diesem Vorteig. Meist werden 40-50% des Mehls im Sauerteig vorab fermentiert, die Reifezeit des eigentlichen Hauptteigs wird durch die große Menge Sauerteig stark verkürzt (auf 1-2 Stunden).

Soweit so gut und habe ich in der Vergangenheit hier auch immer so gemacht und funktioniert auch wie gewünscht. Durch verschiedene Stufenmodelle (einstufig bis dreistufig) lassen sich verschiedene Charaktere an Sauerteig und Roggen-Sauerteigbrot herstellen. Das einstufige ist hierbei das einfachste, weil der Sauerteig einmalig angesetzt wird (idR am Vortag) und dann in den Hauptteig kommt, der anschließend reift und verbacken wird.

Bei zweistufigen oder dreistufigen Sauerteigen werden vor dem eigentlichen Sauerteig für das Brot noch Vorstufen angesetzt (kleinere Mengen Sauerteig, die jeweils als Basis für die nächste Stufe dienen). Durch mehrere Stufen können Profis die mikrobielle Aktivität und den Charakter des Sauerteigs steuern. Von mild bis sauer, von moderat triebkräftig bis hin zu sehr triebstark. Mit entsprechend größerem Aufwand.

Beispiel für ein dreistufiges Sauerteigbrot

Ob "Laien" oder Amateur-Profis wie du und ich ohne vergleichbare Verkostung den Unterschied einschätzen können, ist zumindest fraglich. Sodass sich die Frage stellt, wieso überhaupt mehrere Stufen nötig sind und ob denn das Ganze vielleicht ganz ohne Stufe geht. Man könnte natürlich auch einfach eine Menge x an Anstellgut direkt in den Hauptteig geben und diesen dann bis zum Backen entsprechend reifen lassen. Ganz ohne extra Vorteig. Das Risiko: Der Teig geht nicht richtig auf und das Brot wird zu sauer. In der Theorie.

In der Praxis sind diese Risiken nur dann relevant, wenn dein Sauerteig-Anstellgut nicht fit ist. Warum? Ist dein Anstellgut nicht fit, besteht das Risiko, dass dein Teig nicht sauber fermentiert wird, nicht richtig aufgeht und zu lange reift (zu wenig Hefe-Aktivität und ein zu saures Milieu). Das sorgt für enzymatischen Abbau und für ein unschönes Geschmackserlebnis, noch bevor der Teig reif ist, mit ggf. Hang für zu viel Säure.

Ist dein Anstellgut aber fit, spricht gar nichts gegen den Ansatz hier im Rezept. Im Verhältnis 1 zu 24 zum Mehl reift der Teig hier innerhalb von 10-12 Stunden tipptopp auf und kann dann direkt morgens gebacken werden. Spätestens am Abend ist das Roggenbrot dann auch schon verzehrbereit.

Was ist der Unterschied zu einem "normalen" Roggenbrot?

Geschmacklich wirst du kaum einen Unterschied zu einem "normalen" einstufigen Roggensauerteig-Brot feststellen. Zumindest nicht, wenn du keine direkte Gegenüberstellung und gleichzeitige Verkostung hast. Gegenüber einem dreistufigen Roggensauerteig-Brot mag der Charakter des Brots durchaus das Nachsehen haben. Aber ehrlich? Das sind Experten-Faktoren, die für die allermeisten unter uns nicht relevant sind. Wichtig ist: Das Brot schmeckt und es hält lange und der Aufwand ist gering.

Wie bekomme ich meinen Roggen-Sauerteig fit?

Am besten, du fütterst generell deinen Sauerteig alle 2 Tage. So bleibt das Anstellgut im Kühlschrank immer fit. Und am Tag, an dem du den Teig für dieses Brot hier ansetzt, fütterst du direkt davor am Morgen noch einmal den Sauerteig und lässt ihn zum Peak aufreifen. Er wird dann im besten Zustand eingesetzt und kann den Teig zuverlässig antreiben. Sollte dein Sauerteig derzeit in keinem idealen Zustand sein, dann füttere ihn doch einfach 3 Tage hintereinander. Das bringt ihn wieder auf Trab. Oder setze etwas "Schisserhefe" hinzu.

Kann ich das Roggenbrot auch ohne Kastenform backen?

Das geht, hier wird der Teig nur in die Kastenform gestrichen, noch nicht einmal geformt. Das geht natürlich auch mit einem Gärkörbchen, das gut eingemehlt wurde.

Kann ich auch anderes Mehl verwenden für das 1150er Roggenbrot?

Wie der Name sagt, habe ich das mitteldunkle Roggenmehl Typ 1150 verwendet. Ich nutze es gerne, auch für meinen Sauerteig für die dauerhafte Fütterung. Eine gute Zwischenstufe zwischen hellem Mehl und Vollkornmehl. Du kannst auch 997er verwenden, dann etwas konservativer beim Wasser sein. Bei Vollkorn etwas mehr Wasser einplanen und die Menge Anstellgut etwas reduzieren. Vollkornteige reifen schneller.

Mein Zeitplan

Vortag

Morgens: Sauerteig wie üblich gefüttert
Abends:
21:00 Uhr Hauptteig angesetzt
21:10 bis 21:30 Uhr Kesselgare
21:30 Uhr Teig in Kastenform gestrichen und mit Mehl bestreut

Backtag

(wenn du nicht so früh backen willst, morgens den Teig, wenn er denn schon reif ist, im Kühlschrank parken)
07:30 Uhr Ofen aufgeheizt
08:00 bis 09:00 Uhr gebacken

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Rezept

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Ergebnis

ca. 1050g Brot

Zubereitungszeit

🕒

Region

Deutschland

Frischehaltung

Hält lange frisch

Symbolbild: Zur Druckversion Rezept drucken
Dieses Brot habe ich in der Kastenform gebacken.
Alles übers Brotbacken in der Kastenform liest du hier und auch, welche Kastenformen ich so verwende. Ich habe hier mit einer beschichteten Stahl-Kastenform* gebacken. Sie hat eine Größe von 21 x 12 x 11.7 cm und ist für 450 bis 1000g Brote (je nach Teigvolumen) geeignet:

Kastenform von Monfish
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Zutaten

  • 600g Roggenmehl Typ 1150
  • 520g Wasser
  • 13g Salz
  • 6g Brotgewürz (wenn du magst und hast)
  • 25g Anstellgut Roggensauer fit (siehe Hinweise oben zur Fitness)
  • 20g Bassinage / Reservewasser
  • (0.5g frische Hefe, falls dein Sauerteig nicht fit sein sollte)

Hinweis, damit der Teig nicht zu weich wird: Es macht Sinn die Wassermenge immer etwas vorsichtiger zu dosieren, wenn nicht genau die gleichen Mehle verwendet werden, die ich verwendet habe. Ich versuche schon durch "Reservewasser" einen gewissen Faktor herauszurechnen, dennoch kommt es immer wieder vor, dass mal Teige beim Nachbacken zu weich werden. Lieber zu Beginn nochmal 20g weniger Wasser nehmen und später dann dazugeben. Vor allem dann, wenn man am Anfang der BäckerInnen-Karriere steht. :)

Hinweis zu Knetzeiten: Bitte beachte, dass hier angegebene Knetzeiten bei dir variieren können. Ich gebe hier die Knetdauer mit meiner Knetmaschine an. Mit anderen Maschinen und unterschiedlichen Parametern (Temperaturen, finale Wassermenge, Mehlsorte) können die Knetzeiten abweichen. Bitte achte eher auf Teigkonsistenzen, als auf meine Zeitangaben zur Knetdauer.

Hinweis zum Backen: Solange ich nichts Gegenteiliges angebe, bitte immer Ober- und Unterhitze verwenden!

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Zubereitung

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Vortag

Hauptteig (bei mir: 21 bis 21:10 Uhr)
600g Roggenmehl Typ 1150 (Alternativen siehe oben)
520g Wasser 32 Grad
13g Salz
6g Brotgewürz (wenn du magst und hast)
25g Anstellgut Roggensauer – fit! (Hinweise siehe oben)
20g Bassinage/Reservewasser (Was ist Bassinage?)
(ggf. 0.5g frische Schisserhefe, wenn dein Sauerteig nicht fit sein sollte)
(Zieltemperatur des Teigs ist: 28 bis 29 Grad (die Schüttwassertemperatur ist wieder abhängig von den Temperaturen deiner Zutaten: kannst du hier berechnen))

  • Sauerteig-Anstellgut (und ggf. Schisserhefe) im Wasser (Temperaturhinweis beachten) gut einrühren.
  • Dann Mehl und Salz (und ggf. Brotgewürz) hinzugeben und verkneten bzw. vermischen, bis ein klebriger Teig entstanden ist (siehe Foto unten). Dauert etwa 5 bis 6 Minuten.
  • Wenn Teig deutlich zu fest, dann noch Reservewasser in kleinen Zugaben einrühren, bis ein leicht zementartiger Teig entstanden ist. Siehe Foto unten.
  • Teig hatte bei mir eine Temperatur von 28.5° (Roggenteig sollte nicht kühler angesetzt werden (damit der Teig nicht zu lange reift und nicht zu sauer wird), er kann sogar noch auf 29 bis 30° etwas wärmer angesetzt werden).
  • Streiche den Teig glatt mit der feuchten Teigkarte und lass ihn 20 Minuten im Kessel ruhen. Siehe Foto unten.
  • In der Zwischenzeit bereitest du deine Kastenform (ca. 1kg Fassungsvermögen) vor, wie du das gewohnt bist (ich nehme natürliches Trennspray, andere fetten sie ein).
  • Mit der Teigkarte den Teig aus der Knetschüssel holen und in die Kastenform streichen. Glattstreichen mit nassen Händen oder einer nassen Teigkarte. Siehe Foto unten.
  • Anschließend die Oberfläche des Teigs gut bemehlen, damit man am nächsten Tag den Reifezustand besser erkennen kann. Siehe Foto unten.
  • Kastenform entweder mit einer Haube abdecken oder aber in einen großen Plastikbeutel mit Luft darin stecken.
  • Im Raum reift der Teig nun bis zum nächsten Tag (bei mir bei 21 Grad; wenn bei dir deutlich kühler oder wärmer, verlängert bzw. verkürzt sich die Reifezeit entsprechend).
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Backtag

  • Der Teigling ist bereit gebacken zu werden, wenn du auf der Oberfläche eine deutliche Maserung siehst (daher ist auch das Bemehlen wichtig). Eventuell siehst du auch ein paar Luftlöcher. Der Teig sollte nicht schon zu instabil sein und nicht in sich zusammenfallen (dann war die Reife zu lange). Siehe Foto unten.
  • Sobald du also etwas Maserung erkennen kannst, solltest du deinen Ofen ca. 45 Minuten aufheizen:
    Auf 230 Grad Ober- und Unterhitze. Mit einem Backstein und idealerweise mit einem Schwader für den Dampf (hier liest du alles zum Bedampfen beim Backen).
    (Wenn du nur ein Blech hast, dann dieses 30 Minuten auf 230 Grad aufheizen)
  • Sobald der Ofen aufgeheizt ist, wird die Kastenform in den Ofen gestellt.
  • Dann muss für Dampf gesorgt werden: Zum Beispiel 60ml im Schwadegefäß verdampfen. 10 Minuten unter Dampf backen auf 230 Grad.
  • Dann 30 bis 40 Sekunden den Dampf bei offener Türe ablassen und den Ofen auf 190 Grad herunterschalten.
  • Weitere 50 Minuten backen.
  • Das Brot ist fertig, wenn es beim Klopfen auf den Boden hohl klingt oder ein Stab-Thermometer die Kerntemperatur im Brot mind. 95 Grad anzeigt.
  • Nach dem Backen mind. 5 Stunden abkühlen lassen.
  • Fertig.

Nach der nächtlichen Reife zeigte sich morgens bei mir eine deutliche Maserung -> Zeit den Ofen aufzuheizen und dann zu backen

Gut bemehlen, damit man am nächsten Tag die Maserung erkennen kann

Teigling in der Form glatt streichen

Teig mit nassen Händen nach dem Kneten zu einer Kugel glatt gestrichen und Temperatur gemessen.
Abhängig von ihr ist die Gar-Zeit.

Teig fertig geknetet bzw. gemischt

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Autor:
René Dasbeck

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Verwendete Brotback-Helferlein

Die folgenden Utensilien habe ich bei diesem Rezept verwendet. Hier findest du alle Utensilien, die ich für's Brot-Backen verwende:

  • Bild für Brotback-Utensilie: Kastenform
  • Bild für Brotback-Utensilie: Teigkarte
  • Bild für Brotback-Utensilie: Backstein
  • Bild für Brotback-Utensilie: Schwader
  • Bild für Brotback-Utensilie: Teigwanne
  • Bild für Brotback-Utensilie: Küchenwaage
  • Bild für Brotback-Utensilie: Auskühlgitter
  • Bild für Brotback-Utensilie: Mehlstreuer
  • Bild für Brotback-Utensilie: Trennspray
  • Bild für Brotback-Utensilie: Schüsselhauben
  • Bild für Brotback-Utensilie: Brotbeutel
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Artikel zuletzt aktualisiert am 23. April 2026 von
Hier findest du Quellennachweise
* Ich empfehle unter anderem Produkte bei Amazon, die ich selber als Utensilien für das Backen meiner Brote verwende. Wenn du über meine Links etwas kaufst, erhalte ich dort eine kleine Provision. Das unterstützt mich dabei, meinen Brot-Blog weiterführen zu können. Wenn du das nicht möchtest, kannst du die Produkte natürlich auch direkt über Amazon suchen, ohne auf meine Links zu klicken. Oder noch besser: Du kaufst im stationären Handel. Das würde mich genauso freuen. Amazon und das Amazon-Logo sind Warenzeichen von Amazon.com, Inc. oder eines seiner verbundenen Unternehmen.
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Bild von René Dasbeck

Über mich

Mein Name ist René und eigentlich würde ich mich niemals selbst als Bäcker bezeichnen. Aber für meine Familie bin ich „der Bäcker“. Und weil mir das Backen von Brot unendlich Freude bereitet, versuche ich hier für mich und andere eine Sammlung an Brotback-Wissen und vielen Rezepten zu schaffen. Viel Spaß damit!

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